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Creative Commons - Eine Lizenz zum selber bauen

Eher zufällig stieß ich auf einen Blogeintrag bei NUMB, der mich noch einmal darüber nachdenken ließ, was Leute eigentlich mit meinen Texten machen dürfen. Wie soll damit umgegangen werden, wenn Texte z.B. einfach per Copy&Paste "ausgeliehen" werden? Darf jeder alles mit meinen Texten machen, inklusive damit Geld verdienen? Das alles verhindert meines Wissens das deutsche Urheberrecht. Da ich jedoch kein Jurist bin, kenne ich dieses nicht genau, ähnlich wird es Benutzern meiner Seiten gehen. Deshalb macht es Sinn, das einmal an einer Stelle festzulegen, damit Unklarheiten gar nicht erst entstehen können.

Die Creative Common License gibt dabei einige Hilfsmittel an die Hand. Im Prinzip ist sie ein Baukasten aus Lizenzelementen, mit dem man sich seine eigene Lizenz zusammen stellen kann. Die Creative Common License liefert passend zu dieser Auswahl eine übersichtliche Lizenzzusammenfassung sowie einen voll ausgereiften Lizenzvertrag.

Die Bausteine der Creative Commons License werden durch Buchstabenpaare und Icons abgekürzt dargestellt, so dass man schon am Namenskürzel erkennen kann, welche Bausteine in der Lizenz enthalten sind. Die Lizenz, die man aktuell bei mir in der Seitenleiste sieht, trägt z.B. das Kürzel BY-NC-SA. Was die Kürzel repräsentieren und die wichtigsten weiteren Bausteine der Creative Commons Lizenz beschreibe ich hier:

[BY] Wenn der Text benutzt wird, muss der ursprüngliche Autor genannt werden. Dies ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und sollte somit Bestandteil jeder Lizenz sein. So ist es ab der Version 2.5 der Creative Commons auch nicht mehr möglich, eine Lizenz ohne diesen Baustein zu erzeugen.

[ND] Es dürfen keine Texte nur auf Grundlage dieses Textes erzeugt werden. Wenn man den Text benutzt, dann darf dies nur in seiner ursprünglichen Form passieren, also als komplettes Zitat. Es dürfen also nicht nur Teile des Textes zitiert werden. Dies sollte für Blogbeiträge eher unüblich sein und spielt auf andere Medien an, die auch unter die CC fallen können wie z.B. Bilder und Musik. Dann möchte man nicht, dass ein Bild verändert wird oder aus einem Musikstück nur Samples benutzt werden.

[NC] Der Text darf nur verwendet werden, wenn diese Weiterverwendung nicht kommerziell genutzt wird. Am Anfang eines Blogs macht man sich hierüber wahrscheinlich die wenigsten Gedanken, aber wenn sich das Blog entwickelt hat, man vielleicht sogar eine interessante Nische gefunden hat, über die bisher noch wenig geschrieben wurde, so sollte man sich schon überlegen, ob man seine Artikel jedem auch im kommerziellen Umfeld zur Verfügung stellen will.

[SA] Der Text darf nur verwendet werden, wenn der neue Text, der daraus entstanden ist, wieder unter die selbe Lizenz fällt. Dieser Baustein wird so in vielen Open Source Lizenzen benutzt und soll sicher stellen, dass sich die Lizenz vermehrt. Man möchte erreichen, dass auch die folgenden Medien nicht unter einer anderen Lizenz stehen, die abweichenden Zugriff auf die eigenen Inhalte erlaubt.

Die ersten drei Lizenzbausteine sind wohl Geschmackssache. Jeder kann hier für sich entscheiden, wie er seine Texte verarbeitet sehen möchte. Mit Ausnahme vielleicht des ND Bausteins sind sie eigentlich auch Bestandteil des deutschen Urheberechtes, würde ich vermuten.

Am kritischsten ist in meinen Augen der letztgenannte Baustein SA. Stellen wir uns vor, dass der eigene Text unter einer BY-NC Lizenz veröffentlicht wurde. Sie erlaubt einer anderen Person, den Text komplett zu kopieren und unter Nennung des Ursprungsautors kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wegen des fehlenden SA Bausteins könnte diese Kopie dann aber unter einer anderen Lizenz stehen, die z.B. die kommerzielle Nutzung erlaubt. Somit wäre der Inhalt oder die Idee des ursprünglichen Textes nun auch kommerziell zugänglich, was nicht die Intention des ursprünglichen Autors war. Ist der Artikel allerdings unter der BY-NC-SA Lizenz veröffentlicht, können auch Verwertungen des Artikels nur unter der BY-NC-SA Lizenz stehen.

Die Verwendung des SA Bausteins enthält  allerdings auch ein wichtiges Problem, das nicht gleich augenfällig ist: Man kann so keine Texte mehr mischen, die unter scheinbar inkompatiblen Lizenzen stehen. Will man in einem eigenen nicht kommerziellen Artikel einen Text verwenden, der unter einer BY-SA Lizenz steht (also Nennung des Autors, Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung und Benutzung der selben Lizenz), kann man im selben Artikel keinen Text verwenden, der unter der BY-NC-SA Lizenz steht. Beide Lizenzen für sich genommen würden ermöglichen, einen neuen nicht kommerziellen Artikel zu erstellen, jedoch sind sie eben inkompatibel: Der eine erlaubt die kommerzielle Nutzung, der andere nicht.

Noch verwirrender wird das ganze bei Verwendung von Lizenzen komplett unterschiedlichen Ursprungs aber inhaltlicher Gleichheit. Z.B. bei Verwendung einer GNU Lizenz und einer CC Lizenz mit gleicher Ausprägung. Diese wären dann inhaltlich gleichbedeuten, jedoch nicht mischbar, weil sie eben namentlich unterschiedlich sind.

Inkompatible Lizenzen sind ein nicht zu unterschätzendes Problem in der Open Community. Viele Lizenzen sagen inhaltlich zumindest das ähnliche aus, erlauben aber Benutzung nur, wenn diese unter der selben Lizenz geschieht, wie das Original. Auf dieses Problem bin ich nun schon des öfteren bei der Weiterentwicklung von Serendipity gestoßen. Man kann in Serendipity keine Bibliotheken oder Bilder benutzen, die z.B. unter der GNU Lizenz veröffentlich wurden, denn Serendipity ist unter der BSD Lizenz veröffentlicht. Wenn man sich die Beschreibung der BSD Lizenz in Wiki ansieht, dann wird gleich am Anfang beschrieben, dass diese der GNU Lizenz in groben Zügen ähnelt. Aber eben nicht ganz.

Ich habe für meine Artikel nun die BY-NC-SA Lizenz gewählt. Ich erlaube also jedem, sogar meinen kompletten Artikel einfach kommentarlos zu zitieren (was normaler Weise in der Blogospähre nicht gern gesehen wird), solange eine Nennung des Ursprungs und keine kommerzielle Verwertung vorliegt.

Vor allem bei dem SA Baustein war ich mir nicht sicher, ob dieser gut gewählt ist. Allerdings ist ein großer Vorteil der Modularität der Creative Common Lizenz, dass man mit zukünftigen Benutzern einzeln verhandeln kann, dass diese das Original auch in einer abgespeckten Version der Lizenz benutzen dürfen. So kann man auf Nachfrage einem Verwerter gestatten, den Artikel z.B. als unter der BY-NC Lizenz stehend anzusehen, z.B. in Fällen, wo er das Original in einem Artikel zusammen mit anderen Texten verwenden will, die unter anderen Lizenzen stehen, die aber der Idee der eigenen Lizenz entsprechen. Kurz gesagt: Der SA Baustein ist Teil der Standard Lizenz, auf Nachfrage kann von Fall zu Fall aber darauf verzichtet werden. Bei der CC Lizenz ist dieses Vorgehen sogar explizit Bestandteil der Lizenz. Wenn ihr euch die Kurzversion meiner Lizenz anschaut, findet ihr unten folgenden Absatz:

Jede der vorgenannten Bedingungen kann aufgehoben werden,
sofern Sie die Einwilligung des Rechteinhabers dazu erhalten.

Dies bedeutet: Jeder einzelne Baustein steht frei zur Verhandlung auf Nachfrage. Meiner Meinung nach ist dies eine ziemlich gute Lösung, der ewigen Problematik von inkompatiblen Lizenzen elegant aus dem Weg zu gehen. Das selbe gilt natürlich auch für die kommerzielle Nutzung. Man sagt mit einer BY-NC-SA Lizenz, dass normaler Weise die kommerzielle Nutzung eines Textes nicht gestattet ist, man sich aber offenhält, für einzelne Verwendungen die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung einzuräumen.

Unter diesem Gesichtspunkt wird die Modularität der CC Lizenz zur großen Stärke, denn dieses Nachverhandeln einzelner Bestandteile ist mit anderen nicht modularen Lizenzen so nicht möglich.

 

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Comments

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Robert Lender

Robert Lender on :

Deinem Fazit stimme ich zu. Auch meine CC ist so ausgelegt, dass man meine Werke mit den gleichen Bedingungen weiterverwerten darf. Damit würde ich aber z.B. ausschliessen, dass man einzelne Artikel z.B. in Zeitschriften aufnimmt.

Natürlich möchte ich so etwas wissen und im Einzelfall entscheiden - und genau diese Entscheidungsfreiheit gibt mir CC.

Grischa

Grischa on :

Du hast Recht, Robert, Zeitungen sind ein recht gutes Beispiel, wo der Inhalt eines eigenen Textes kommerziell weiter verwertet wird.

Auf diese Weise kann man sich auf einfachste Weise vorbehalten, welche Zeitschrift man unter welchen Bedingungen unterstützen will oder eben nicht.

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