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Ich lese keine Feeds mehr

Neulich fiel mir auf, dass ich eine Tätigkeit, die ich früher recht regelmäßig erledigte, schon seit über einem Jahr gar nicht mehr tue: Feeds lesen. Meinen Google Reader habe ich schon ewig nicht mehr aufgerufen, obwohl er noch Teil meiner Bookmarks und sogar auf meinem mobilen Gerät installiert ist.

Woran das liegt? Nun, das ist einfach: Viele meiner Internetaktivitäten haben sich immer mehr von meinem Desktop PC auf das mobile Gerät verlagert. So benutze ich Twitter z.B. im Prinzip ausschließlich mobil. Vielen der Autoren von Blogs, die mich interessieren, folge ich auch auf Twitter, und die meisten von ihnen kündigen dort (so wie ich) ihre neuen Artikel an. Diese Ankündigungen sehe ich "zwischendurch" also über Twitter und lese sie zeitnah, wenn ich gerade nichts zu tun habe, oder bookmarke sie mobil, wenn sie mir so wichtig erscheinen, dass ich sie später lesen will.

Wenn ich so wie früher beim Morgenkaffee in meinen Reader schauen würde, hätte ich 90% der Einträge dort also bereits gesehen, gelesen oder aussortiert. Bei meinem Morgenkaffee stöbere ich inzwischen lieber durch die Timeline der Nacht. Ein alter Zeitungsmacher Spruch trägt hier wieder: Nichts ist so alt, wie die Nachricht von gestern, auch wenn das auf den Inhalt von Blog Einträgen meist eigentlich gar nicht zutrifft.

Allerdings beobachte ich bei mir durch den geänderten Konsum von News etwas ähnliches, was Rolf Debelli u.a. in seinem Essay "Vergessen sie die News!" beschreibt: Eine gewisse Gehetzheit beim lesen von News. Denn während man sich mit der einen interessanten News beschäftigt, die Twitter geliefert hat, liefert Twitter bereits die nächste News, die scheinbar Aufmerksamkeit erfordert. Das "zwischendurch lesen" unterstützt diese Gehetzheit noch.

Ich merke, dass ich bei längeren Texten, auf die ich bei Twitter gestoßen bin, meist eher unwillig reagiere. Meine Aufmerksamkeitsspanne sinkt bei "News". Sogar auf mich selbst als Autor hat das Auswirkungen: Ich schreibe ungern lange Texte, sondern versuche den Inhalt möglichst knapp, kurz und präzise zu halten, um den Leser (der vielleicht genauso funktioniert wie ich) mit seiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne abzuholen. So habe ich hier zwei Artikel schon länger in der Mache, die dem Thema angemessen etwas ausführlicher werden müssten. Ich versuche diese aber zu verknappen und so sind sie noch immer nicht online.

Beobachtet ihr ähnliches bei euch? Lest ihr noch Feeds oder seid ihr auch eher auf "schnelle Medien" wie Twitter, Facebook und Google+ umgeschwenkt?

 

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Kommentare

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Dahie

Dahie am :

Hm, kann ich nicht bestätigen. Eigentlich sind das 2 getrennte Lesefelder. Im Feedreader landen die, die ich auf keinen Fall verpassen will, bei Twitter drück ich da eher ein Auge zu.

Im Feedreader wurden aber auch die Beiträge die ich konsumiere kürzer und es gibt einige Reiseblogs, die schon lange offen sind wo ich mir nicht die Zeit nehme lange zu lesen. Feeds leben definitiv weiter bei Video und Podcasts.

Beim eigenen Schreiben, naja isses schon seit Jahren eine Frage der Zeit wieviel ich schreibe, nicht der gewünschten Länge der Artikel. Hab ich die Zeit schreib ich auch viel. Nur die Mini-Beiträge, die ich früher im Blog geschrieben hätte, die sind heute auf Twitter. Ich will nur einen twitter export um aus meinen Gedankenbröckchen wieder häufiger Texte machen zu können. 8-)

Grischa

Grischa am :

Hmm.. Das ist eine recht gute Unterscheidung: Die wichtigen Feeds, die man auf keinen Fall verpassen will, eben in den Feedreader, den Rest so wie ich jetzt über Twitter.

Da habe ich offenbar im Moment schlicht das Problem, dass ich wenige Feeds habe, bei denen ich wirklich jeden Eintrag mitbekommen will. Das hatte ich -genau genommen- noch nie. Ich habe im Reader immer schon eine Auswahl getroffen in dem, was ich lesen will und was nicht. Und da reicht mir im Moment einfach mein "gesammelter Twitterfeed". Vielleicht sollte ich meinem Reader doch mal wieder einen Besuch abstatten und nach dem genannten Kriterium ausmisten. Die schiere Flut war einfach zu viel.

Du hättest gerne einen Importer Deiner Tweets, um dann ausführlicher im Blog über Deine "Kurzgedanken" zu schreiben? Das gibt es doch, nennt sich oEmbed, habe ich Ende vergangenen Jahres einiges zu ausprobiert. Gerade mit Twitter geht das echt prima, das genau war sogar ein Anlass für mich, mir mal oEmbed anzusehen. Findeste hier im Blog einiges zu, im Artikel "CommentSpice" vor kurzem findest Du sogar gleich so ein embed.

Matthias Mees

Matthias Mees am :

Kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.

Ja, es ist ein bißchen so, dass man vieles im Feedreader schon auf Twitter mitbekommen hat, entweder durch Ankündigungstweets oder Verweise von Leuten, denen man folgt. Aber längst nicht alle, deren Blogs ich lese, twittern ihre Posts, z.T. folge ich den Accounts nicht mal (vor allem bei größeren und/oder US-Seiten). Ich lese auch längst nicht mehr akribisch die Timeline nach, um ja nichts zu verpassen.

Außerdem nutze ich RSS durchaus auch für andere Dinge als Blogartikel – Webcomics, CSS-Gallerien, Software-Updates oder neue Folgen von Serien, also Dinge, bei denen es im übelsten Fall nervig bis schlimm ist, eine „Ausgabe“ zu verpassen.

Und, last not least – Google Reader for Android ist nicht die schlechteste App. ;-)

Grischa

Grischa am :

Gut. Das überzeugt mich ein wenig, Matthias. Offenbar muss ich schlicht meine Art, wie ich einen RSS Reader benutze, umstellen.

Den habe ich früher halt in 99% der Fälle für Blogs benutzt. Genau die bekomme ich aber viel bequemer über Twitter mit.

Die Anwendungsfälle, die Du nennst, klingen überzeugend, ich habe sie offenbar nur noch nicht entdeckt. Und die App kenne ich natürlich. Die läuft auf meinem Androiden ebenso lange unbenutzt einfach mit. ;-)

Gut. Ich schaue mich mal um, ob ich den RSS Reader nicht vielleicht für mich "neu entdecken" kann. Danke für Motivation! :-)

Matthias Mees

Matthias Mees am :

Mitunter nervt Leute am Reader auch einfach nur das Interface, speziell nach dem Redesign – dann kann man sowas wie feedly verwenden. Ich nutze mittlerweile wieder den Reader, weil ich ihn sooo schlimm nicht finde und ich meine Browser-Extensions reduzieren wollte.

Großes Plus des Readers, aber gleichzeitig auch Stein des Anstoßes für viele: Die Sharing-Optionen. Krieg mal einen Link aus Twitter auf Facebook oder G+ – das ist mit Reader doch etwas simpler.

Was viele vermissen (und das kann ich nachvollziehen, obwohl ich das selbst nie genutzt habe) ist die Funktion, sich mit anderen Reader-Nutzern zu vernetzen und so Leseempfehlungen zu erhalten.

rowi

rowi Auf Twitter lesen: am :

Für mich sind das auch zwei parallele Wege. Auf Twitter schnell nebenbei, für längeres muss ich eh grad die Zeit haben. Das heisst ansonsten bookmarken so dass ich es auch später noch wiederfinde (meist Read It Later).

Im Reader (ich benutze ein selbstgehostetes TT-RSS) kann ich am Desktop und mobil in Ruhe lesen wenn ich einen Moment Zeit habe.

Was ich da allerdings gemacht habe ist mir die Feeds in Rubriken der Wichtigkeit/Interessantheit zu sortieren, "1", "2" usw. und dazu ein paar sortierte Themenbezogene Kategorien. Diese aber auch ausgedünnt mit den wichtigsten Feeds.

Für langweilige Tage hab ich die restlichen Feeds aber noch in den alten Kategorien.

P.S. Twiiter-Namen und letzten Artikel bewerben will ich auch bei mir haben :-)

rowi schrieb auch: Wochenendliche Android App Vorstellung Folge 115

Grischa

Grischa Auf Twitter lesen: am :

Hmm.. Das mit der Sortierung nach Wichtigkeit anstatt nur nach Themen ist auch keine schlechte Idee. Im Google Reader kann man ja sogar beides machen.

Ich müsste also nur noch Feeds finden, die mir auch Spaß machen in meiner Freizeit zu lesen (neben denen, die ich sowieso schon über Twitter lese). Da hakt es bei mir offenbar noch ein wenig.

P.S.: Ich mache mal eine EMail fertig. Freue mich, dass jemanden das Plugin doch zu interessieren scheint, bisher waren die Reaktionen (außer Bedenken) ja gegen Null. ;-)

Grischa schrieb auch: CommentSpice: Salz für den Kommentarbereich

stego

stego am :

ich finde feeds immernoch sehr praktisch auch wenn sie scheinbar wirklich aus der mode kommen.

sie sind so schön offline und asynchron.

dafür ist mir twitter zu zwitscherig...

Grischa

Grischa am :

Mir fehlt inzwischen ganz offenbar vor allem die Zeit und Muße, mir Feed Sammlungen anzusehen und durchzuackern. Ich mache inzwischen irgendwie anderes z.B. beim morgendlichen Kaffee Trinken oder auf Fahrten zur Arbeit.

Im Moment höre ich Podcasts, das ist allerdings dann wieder sehr nah an den RSS Feeds dran. Oder genauer: Auch das sind natürlich RSS Feeds, nur eben nicht zum Lesen sondern Hören. Aktuell hole ich auf meinem Arbeitsweg z.B. den S9Y InfoCamp Podcast nach, der sehr launig und interessant ist. :-)

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