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Fernsehen auf Ubuntu 10.10

Nach meinem Misserfolg mit der Fantec Station war ich immer noch auf der Suche nach einer Möglichkeit, TV Sendungen aufzunehmen. Ein Ziel ist für mich dabei, die Aufnahmen auf dem Rechner archivieren zu können. Eigentlich liegt es nahe, dann einfach die Aufnahmen auch auf dem Rechner zu produzieren. Ein sehr bekanntes Projekt, das sich mit TV und vor allem TV Aufnahmen beschäftigt, ist MythTV. Es gibt sogar eine eigene Distribution auf Ubuntu Basis, mit der man eine Standalone Multimedia Station aufsetzen kann mit den Eigenschaften, die ich mir von der Fantec Station versprochen hatte. Irgendwann werde ich mir so eine Station mal bauen, aber derzeit will ich nur mit meinem normalen Laptop fernsehen und Aufnahmen produzieren können.

Ich habe mir also einen DVB-T Empfänger für meinen Laptop besorgt und ein bisschen damit herum probiert.

Vorbereitungen

Eigentlich sollte man sich vorher umschauen, welche DVB-T Empfänger passend sind. Welche also möglichst problemlos von Linux unterstützt werden, eine gute Qualität liefern usw. Wie so oft war meine Entscheidung aber ziemlich spontan. :-D Ich stand in einem großen Elektronik Markt vor dem DVB-T Receiver Regal. Mein Wissen beschränkte sich dabei auf folgendes:

  • Hauppauge Empfänger hatten immer schon einen recht guten Linux Support
  • Da mein Rechner ein Laptop ist, kommt nur ein USB Empfänger in Frage
  • DVB-T liefert eine recht große Datenmenge. Es sollte also auf einen USB2 Stick wert gelegt werden, da USB1 bei der Datenmenge durchaus in Probleme geraten kann.

Ich griff also relativ wahllos zu einem Hauppauge WinTV Ministick SE (Model 1364). Auf der Verpackung wird "überragender TV-Empfang" und "sehr geringer Stromverbrauch" versprochen. Das waren die Stichworte, die mich dann schlussendlich zugreifen ließen. Der Preis lag bei ca. 25€, wenn es nicht funktionieren sollte, hätte man nicht viel verloren.. ;-)

TV Software

Als erstes installierte ich den MythTV Backend. Hierzu sucht man im Ubuntu Software Center einfach mal nach MythTV und wird gleich fündig. Ein erster Blick darauf verriet mir gleich, dass dies nicht die passende Software für mein Ziel ist. MythTV ist eine eierlegende Wollmilchsau, die hervorragend auf einen Standalone Rechner ausgelegt ist, der einfach mit einer TV Fernbedienung zu bedienen ist. Auf einen normalen Desktop Rechner,  auf dem TV schauen nur eine Aufgabe von vielen sein soll, erscheint die Software überdimensioniert und schlecht zu bedienen. Zusätzlich bekam ich gleich Probleme beim Setup, die noch nicht mal mit meinem TV Empfänger zusammen hingen. Es musste etwas schlankeres her.

Ich habe mir dann "Me TV" angesehen, auch diese Software ist unter dem genannten Stichwort im Software-Center zu finden. Diese beschränkt sich auf das für mich wesentliche: TV Schauen und Aufnahmen über EPG programmieren.

WinTV MiniStick

In der Packung ist ein USB Stick, eine Fernbedienung und eine Art Stabantenne, die ich eher als "Drahtantenne" bezeichnen würde. Ähnliche Antennen haben sich an meinen normalen DVB-T Empfängern als nahezu nutzlos heraus gestellt. Ein erster Test mit dem Stick produziert das befürchtete: Me TV erkennt keinen angeschlossenen DVB-T Empfänger.

Ein Blick mit lsusb auf die angeschlossenen USB Devices erkennt ein "Hauppauge Windham", offenbar fehlen aber die Treiber dafür. Ein wenig scrooglen bringt die Lösung:

sudo apt-get install linux-firmware-nonfree

Jetzt noch einmal den USB Empfänger einstecken und mit dmesg beobachten, was passiert:

[ 3261.420085] usb 1-3: new high speed USB device using ehci_hcd and address 16
[ 3262.120154] smscore_set_device_mode: firmware download success: sms1xxx-hcw-55xxx-dvbt-02.fw
[ 3262.123541] DVB: registering new adapter (Hauppauge WinTV MiniStick)
[ 3262.124002] DVB: registering adapter 0 frontend 0 (Siano Mobile Digital MDTV Receiver)...

Das sieht gut aus, ein Treiber wurde gefunden. Ein erneuter Start von Me TV bestätigt das, auch hier besteht nun DVB-T Empfang!

Zu beachten ist hier, dass der USB2 Stick auch in einen USB2 Port eingesteckt wird.

Me TV Sendersuchlauf

Zuerst müssen die Channels eingerichtet werden. Im Menü "Ansicht" erledigt man dies im Untermenü "Channels". Hier startet man einen Sendersuchlauf über "Hinzufügen". Bei "Auto scan" wird das eigene Land ausgewählt, dann kann die Suche gestartet werden.

Zuerst testete ich mit der mitgelieferten Antenne. Mit dieser wurden nur wenige Sender gefunden, vor allem ZDF Kanäle. Dann schloss ich meine Antenne mit Verstärker an, diese fand deutlich mehr Sender, allerdings nicht eben jene ZDF Channels. Man kann den Sendersuchlauf mehrmals wiederholen, sollte dann beim Hinzufügen aber nur die auswählen, die noch nicht in der gespeicherten Liste vorhanden sind. Bei mir trat ansonsten das Problem auf, dass ein versteckter Dialog einen Channel Conflict meldete, und die Suche nur mit der ESC Taste abgebrochen werden konnte, da ich auf diesen Dialog nicht zugreifen konnte.

Da die Verstärker Antenne nicht alle Sender fand, probierte ich noch einmal mit der mitgelieferten Stabantenne. Stehend am Fenster brachte sie nun auch keine ZDF Kanäle, horizontal liegend fand sie diese aber nun und lieferte auch bei allen bisher gefundenen Sendern ein sehr ansehnliches Resultat. Sie scheint also doch durchaus brauchbar zu sein, man muss sie nur geeignet aufstellen. Hier ist ein wenig Probieren gefragt.

Me TV konfigurieren

Das dargestellt Bild kann man unter Ansicht, Preferences justieren.  Wichtig ist hier ein "Deinterlace Type". Bei mir war hier "none" eingestellt, was ein entsprechend schlechtes Bild produzierte. Welcher Typ für euch der geeignete ist, probiert einfach mal aus. Zusätzlich kann man noch den Video und Audio Treiber justieren. Hier muss man ein wenig aufpassen: Bei mir bootete der XServer nach Start von Me TV jedes Mal neu, nachdem ich einen offenbar ungeeigneten Treiber ausgewählt hatte. Da man nun nicht mehr in die Konfiguration hinein kommt, muss man sich anders behelfen: Me TV speichert die Einstellungen dieses Preferences Dialoges in der Datei

~/.gconf/apps/me-tv/%gconf.xml

Wenn man diese löscht, werden wieder die funktionierenden Default Einstellungen geladen, die Senderliste und andere Einstellungen bleiben dadurch aber erhalten.

Gerade das Probieren mit den Video Treibern lohnt sich sehr. Bei mir war nach der Installation xshm eingestellt. Im Fullscreen Modus erzeugt die Darstellung über diesen CPU Lasten von weit über 100%. Für meine nVidia Karte scheint vx besser geeignet. Das Bild scheint besser und vor allem geht die Last im Fullscreen kaum einmal über 20%.

Aufnahmen

Wenn Me TV nun gestartet wird, sollte es ungefähr so wie auf dem Screenshot aussehen. Im oberen Bereich ist das TV Bild, im unteren Bereich sind die Sender mit EPG Angaben zu sehen.

Vor der Aufnahme muss zuerst ein Ort eingestellt werden, wohin die Aufnahmedateien gespeichert werden sollen. Dieses erledigt man wieder in dem Dialog Ansicht - Preferences.

Aufnahmen gestalten sich dann sehr einfach. Man sucht im EPG die Sendung, die man aufzeichnen möchte und klickt auf diese. Es öffnet sich ein Dialog mit EPG Details zu der der Sendung, eben jene Informationen, die man auch sonst aus den EPGs kennt. Im unteren Bereich findet man den Knopf "Aufnahme". In einem neuen Dialog kann man die Aufnahme konfigurieren. Der Standard ist, dass die Aufnahme 5 Minuten vor der angegebenen Zeit gestartet und 10 Minuten nach ihrem offiziellen Ende beendet wird. Diese Standardvorgaben kann man ebenfalls in dem inzwischen gut bekannten Preferences Dialog ändern.

Die Aufnahme erfolgt voll automatisch, wenn Me TV gestartet ist. Dazu muss nicht der Frontend gestartet sein, der die Sendung darstellt und dabei recht hohe CPU Last erzeugen kann. Es reicht, wenn das Me TV Icon in der Menüleiste vorhanden ist. Dieses erscheint beim Start von Me TV, danach kann man den eigentlichen Frontend schließen, das Icon bleibt dann bestehen und produziert im Hintergrund zur angegebenen Zeit die Aufnahme.

In diesem Modus wird deutlich weniger CPU Last produziert (besonders zu sehen, wenn xshm eingestellt ist, bei xv ist der Unterschied nicht mehr so deutlich). Diese entsteht nur beim Darstellen des DVB-T Streams, nicht jedoch beim speichern des Streams auf Platte ohne diesen darzustellen. Beim schreiben dieses Artikels läuft eine Testaufnahme im Hintergrund, die nur 3-15% CPU Last produziert, der Firefox, mit dem ich den Artikel schreibe produziert deutlich mehr Last. ;-)

Es wird eine interlaced MPEG Datei erzeugt. Dies kann man in eine kleinere deinterlaced AVI umwandeln. Wie dies funktioniert, habe ich bereits in folgendem Artikel beschrieben: DVB MPEG-TS nach AVI konvertieren (Teil 2). Den ersten Teils des Tutorials, der sich mit dem Umwandeln des TS Formats beschäftigt, kann man hier ignorieren. Die Aufnahme ist bereits in dem Format, von dem im 2. Teil ausgegangen wurde.

Fazit

Wer bereits einen Ubuntu 10.10 Desktop hat, kann diesen mit einer Investition von 25€ und ein wenig Konfiguration in eine TV Aufnahmestation verwandeln. Ich bin ehrlich gesagt wieder einmal begeistert, wie einfach so etwas mit Ubuntu / Linux Bordmitteln zu machen ist, wenn man weiß wie. Die größte Zeit habe ich mit der Suche nach entsprechenden Informationen im Web zugebracht, ich hoffe, diese Arbeit konnte ich euch durch diesen Artikel ersparen.

Durch den Erfolg meines TV Projektes bin ich nun allerdings noch mehr animiert, einen leisen Rechner mit der Mythbuntu Distribution zu einer Multimedia Station für das Wohnzimmer aufzusetzen. Hier hat man noch einmal deutlich mehr Möglichkeiten. Eine proprietäre Fantec Station erscheint verglichen dazu wie ein Spielzeug, denn auf einem Mythbuntu Rechner kann man alles so konfigurieren, wie man es benötigt, und hat eine freie Auswahl, sich seine "Multimedia Homestation" zu erweitern, da es sich ja um einen vorbereiteten Linux Rechner handelt. Alles, was mit Ubuntu / Linux geht, geht auch mit dieser Station.

Trackbacks

Grischa

Grischa am : Update auf Ubuntu 11.10 (Oneiric Ocelot)

"Update auf Ubuntu 11.10 (Oneiric Ocelot)" vollständig lesen
Ich habe nun schon mehrere fehlgeschlagene Versuche hinter mir, meine Ubuntu Version über die normalen Wege (Distributions Upgrade) auf die nächste Version zu erneuern. Dieses Wochenende nahm ich mir vor, es ein letztes Mal zu versuchen und wenn

Kommentare

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Kreativkiez

Kreativkiez am :

Ich habe ca. 10 Jahre kein TV mehr verwendet, aber wenn ich das hier lese bekomme ich auch gleich Lust das mal auszuprobieren. Und da die Fernsehstationen dieser Welt zur Zeit vorallendingen durch "depublizieren" ihrer Inhalte auf sich aufmerksam machen wäre es doch praktisch eine Methode zu haben die wenigen guten Sendungen zu archivieren.

Ich würde ein solches Setup sozusagen als legale Dokumentations-Saug-Maschine verwenden - allerdings - brauche ich dann wieder noch mehr Festplattenplatz und am besten einen eigenen Rechner dafür, der den ganzen Tag nichts anderes macht als die besten Dokus zu sammeln :]

Wie dem auch sei, gut geschriebenes Blog, habe ich gleich mal zerlinkt.

Grz,

;j

Grischa

Grischa am :

Vielen Dank für das Lob! :-)

Genau für so was benutze ich das oben beschriebene auch. USB Festplatten gibt es mittlerweile relativ günstig, eine sehr gute 3TB Platte kostete beim Elektronik Geschäft bei uns um die Ecke im Angebot gerade mal ca 90€. Die reicht für lange.. ;-)

Falls Du wirklich mal nen Standalone Rechner aufsetzen willst: Da wäre das genannte Mythbuntu wohl perfekt. Das will ich irgendwann auch mal probieren. :-)

daBr0ther :-}

daBr0ther :-} am :

Praktischer ist evtl. ein NAS an den Router anschließen, anstatt einer USB-Platte an den Recher? Dann kannst du die Aufnahmen evtl auch von einer deiner Konsolen direkt abspielen, ohne Stöpselei bzw. ohne das NB einzuschalten? Habe gerade für die Ellies eine von WD als Datenarchiv bestellt 1TB für ca 100€, da können dann von beiden Rechnern Bildchen und sonstige Dateien (automatisiert) gesichert werden.

Wir dachten schon ihr wäret in Argentinien? Scheint wohl nicht der Fall zu sein ;-)

Grischa

Grischa am :

Jap. Das hatte ich auch überlegt, dafür war mir der Aufwand aber (noch) zu groß.. ;-) Ich denke, bevor ich das mache, mache ich dann doch gleich den leisen Zimmerrechner mit Mythbuntu. :-)

Argentinien: Ist leider ausgefallen.. :-( Wird wohl erst im März was.

 daBr0ther :-}

daBr0ther :-} am :

Hmmm, gehe eigentlich davon aus, dass das nicht weiter kompliziert wird mit dem NAS. Zumindest unter Windows. Mal schauen...

Kreativkiez

Kreativkiez am :

*Kommentare als Kommunikationskanal mißbrauch*

Ich habe heute mal das Hello-World-Example der Google App Engine ausprobiert - und bin erstens begeistert - habe aber zweitens keine Ahnung von Python - kann aber drittens trotzdem die Google App Engine als Webspace verwenden - und zwar als sehr guten Webspace - und das Gratis. Krass :]

Hier mein Test:

http://holyloops.appspot.com/

Und bei welchem Laden gibt es 3TB für 90€ - wo ist der Laden :?

Grischa

Grischa am :

Nanu? Du kommentierst in meinem Blog jetzt Artikel in Deinem? :-D

Die USB Platte gab's im MM im Forum. Eine Western Digital Elements. Welche das war, habe ich im "Update auf Ubuntu 10.10" Artikel verlinkt. Und: Es waren 2TB, sorry, hatte mich vertippt. Sollte aber auch einige Zeit langen. ;-)

Grischa

Grischa am :

Cool. Meine Beschreibung hat mir nun -nach Installation einer neuen Ubuntu Version- auch wieder geholfen. Konnte mich an nix mehr erinnern, mit der Doku hatte ich mein Setup in wenigen Minuten wieder restauriert. Scheint vollständig. :-)

Grischa

Grischa am :

Kleine Anmerkung noch: Einige Einstellungen in MeTV scheinen sich erst auszuwirken, wenn man MeTV komplett beendet und wieder neu startet. Beim Interlace Setup war das bei mir so.

Ebenso bei den Linux Treibern. Wie oben beschrieben muss man wirklich den USB Stick noch mal abziehen und wieder rein stecken, erst dann werden die neuen Treiber nach der Installation angezogen.

Aber ansonsten: Super simpel! :-)

flippah

flippah am :

Danke für die Anleitung. Hat wunderbar funktioniert

Kleiner Kobold

Kleiner Kobold am :

Hallo,

auch wenn das ganze etwas älter ist, wie bekomme ich denn die Fernbedienung zum funktionieren? Ich habe das Modell 1364 unter Myth Tv sind übrigens die Farben falsch.

Danke und grüße

Kleiner Kobold

Grischa

Grischa Auf Twitter lesen: am :

Das weiß ich leider auch nicht, weil ich mir das nicht länger angesehen habe. Wenn ich die Technik allerdings korrekt verstanden habe, dann kommuniziert die Fernbedienung mit dem Stick direkt, es sollte also eigentlich gar keine Anpassung im System erforderlich sein.

Aber wie gesagt: Ich habe das nicht wirklich ausprobiert, deshalb kann ich dazu nichts sagen..

Grischa schrieb auch: Update auf Ubuntu 12.04 (Precise Pangolin)

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