Twitter Clients für Symbian angetestet
Wenn ich ein neues Spielzeug gefunden habe, dann spiele ich damit auch richtig herum.
Derzeit ist es wohl gerade Twitter.
Natürlich war eines der ersten Dinge, die ich erledigt habe, einen vernünftigen Client für mein Nokia E71 zu finden. Das Handy bietet sich dafür einfach an: Das Display ist groß genug, es hat eine hervorragende Tastatur und kommt kostenlos über WLAN ins Internet. Mit der Kamera kann man Fotos von unterwegs schießen und sie z.B. mittels twitpic seinen Verfolgern zeigen, und wenn man extrem mitteilungsbedürftig ist, kann man auch noch mit dem im E71 integrierten GPS Empfänger seine aktuelle Position an Twitter und die Welt mitteilen (hüstel!)
Einen Twitter Client für das E71 zu suchen ist einfach nahe liegend und ich habe bisher drei davon getestet. Hier mal meine Eindrücke dazu:
TweetS60
TweetS60 wurde direkt für das Symbian Betriebssystem geschrieben. Scheinbar ist dieser kostenlos verfügbare Client noch recht neu und in der Entwicklung, was man ihm leider auch anmerkt. Er funktioniert prima bei mir und ist - weil er direkt für Symbian geschrieben wurde - recht schnell in der Benutzung. Leider sind die Features des Clients noch recht überschaubar.
Man kann die grundsätzlichen Twitter Dinge tun: Seine Timeline mit Freunden ansehen, ein Update (auch Antwort und Direkt) schreiben und Leute editieren, denen man (nicht mehr) folgen will. That's it. Es gibt keine Suchen, ganz zu schweigen von Bilder Uploads oder ähnlichem.
Das Interface ist meiner Meinung nach ziemlich hakelig. Um ein Update zu schreiben, muss man das Menü öffnen und dort dann "New" auswählen, Links innerhalb von Tweets findet man in einem Dialog, der den Tweet noch einmal darstellt, wenn man auf selbigen klickt (anstatt direkt) usw. Es funktioniert alles, aber es ist noch einiges Potential nach oben vorhanden.
Twibble Mobile
Einer der bekanntesten Clients scheint Twibble Mobile zu sein. Der Client ist in Java geschrieben, wodurch er nicht nur auf Symbian sondern auch auf einigen anderen Handies läuft. Java Anwendungen (mindestens) auf Nokia Geräten haben allerdings große Probleme durch die sehr restriktiven Einstellungen, die Nokia für Java Anwendungen im Standardfall vornimmt. Benutzt man Twibble direkt nach der Installation, wird man bei jeder noch so kleinen Aktion immer wieder vom Handy gefragt, ob man Twibble das erlauben will. Ganz heftig wird es, wenn man eine Datei sucht. Hier fragt Nokia bei jedem Wechsel in ein Verzeichnis nach! Dies ist extrem nervig aber auch leicht zu beheben, wenn man weiß wo man suchen muss.
Dazu öffnet man den Programm Manager ("Progr.-Ma." normaler Weise im Verzeichnis "Installat.") und sucht in der Liste Twibble heraus. Klickt man auf diesen und wählt die Option "Öffnen" wird nicht etwa Twibble sondern das Rechtemanagement geöffnet, in dem man alle Java Rechte für diese Anwendung speziell einstellen kann. Normaler Weise erlaubt Nokia hier gar nichts ohne Rückfrage. Um den Client vernünftig benutzen zu können, sollte man ihm folgende Rechte immer erlauben:
- Netzzugang (damit kann der Client sich mit dem Internet verbinden)
- Verbindungen (dadurch kann er ungefragt den Browser öffnen mit Links in einem Tweet)
- Benutzerdaten lesen (das erlaubt ihm, ohne ständiges Nachfragen eine Datei zu finden.)
Wenn man möchte, kann man für Twibble hier noch einen Zugangspunkt festlegen, um diesen nicht jedesmal beim Programmstart auswählen zu müssen. Leider kann man hier nur einen auswählen, die Option "alle bereits konfigurierten Zugangspunkte", die mittlerweile einige Programme anbieten, ist hier nicht möglich.
Hat man die Klippen aller etwas komplexeren Java Anwendungen auf einem Handy erst einmal umschifft, stellt sich Twibble als absolutes Feature Monster heraus!
Es bietet wirklich alles an, was bei Twitter geht! Das ist schon enorm. So habe ich erst durch Twibble überhaupt erfahren, dass Twitter auch mit Geodaten umgehen kann..
Bei einem Kontakt, dem ich gerade folge, wurde mir von Twibble korrekt in einer Yahoo Landkarte angezeigt, dass dieser in Bremerhaven sitzt. Ziemlich abgefahren. Ich will hier nicht auf die Features im speziellen eingehen, denn Twibble kann wie gesagt alles und macht bei mir auch alles korrekt, die Java Anwendung kann sogar den GPS Chip des E71 abfragen und über diesen die eigene Position anderen Twitter Teilnehmern mitteilen. Wer's braucht.. ![]()
Der einzige Nachteil, den Twibble hat, liegt in seinem Feature Load begründet. Es hat ein äußerst umfangreiches Menü, aus dem man sich alles heraus suchen muss. Immerhin vergibt Twibble Tastaturkürzel für wichtige Optionen, so muss man nur "t" drücken, um ein Update zu schreiben. Manchmal sind Tastaturkürzel etwas unglücklich vergeben. So schreibt man mit "d" allgemein eine direkte Nachricht, anstatt eine direkte Nachricht an den aktuell selektierten Tweetschreiber zu verfassen. Hierfür muss man "6" drücken, was bei einem Handy mit vollständiger Tastatur eher umständlich ist. Für tastaturlose Handys macht das hingegen durchaus Sinn, update auf 1 und dm an Verfasser auf 2 zu legen.
Genauso wie TweetS60 ist übrigens auch Twibble kostenlos.
Gravity
Mein erster Gedanke nach ein wenig Spielen mit Gravity war, dass ich bisher wohl noch keine Symbian Anwendung gesehen habe, die mit einer dermaßen gut durchdachten und perfekt funktionierenden Benutzeroberfläche daherkommt! Alle Achtung, da haben sich die Entwickler offenbar einige Gedanken dazu gemacht, wie man viele Optionen mit den eingeschränkten Möglichkeiten eines mobilen Gerätes gut strukturiert griffbereit hat.
Das geht damit los, dass man Updates einfach schreibt (also ohne irgendetwas auszuwählen oder in einem Menü zu suchen), geht aber noch viel weiter. Der Startscreen ist erst einmal in unterschiedliche Aufgabenbereiche unterteilt (siehe erstes Bild).
Öffnet man eine der Aufgaben so wechselt rechts/links in unterschiedliche "Versionen" dieser Aufgaben. In der Aufgabe "Account", bei mir mit meinem Twitter Account gbrockhaus betitelt, wechselt man also zwischen der Timeline mit Freuden, der eigenen Timeline, Replies und direkte Nachrichten. A pro pos Account: Gravity kommt problemlos mit unterschiedlichen Twitter Accounts klar, die dann jeweils eine eigene "Aufgabe" darstellen.
Etwas besonderes bei Gravity ist die Aufgabe Suche ("Twitter Search"). Hier kann man sehr viele Suchen gleichzeitig ausführen, zwischen denen man dann wieder mit rechts/links wechselt. Diese Suchen werden zum Programmende gemerkt und beim nächsten Programmstart wieder restauriert. So hatte ich immer eine Suche auf #s9y und eine weitere zu #gravity z.B., was den Eindruck mehrerer "Chatrooms" zu unterschiedlichen Themen hinterlässt.
Optionen die man benötigt sind immer als Kontextmenü vorhanden. Klickt man z.B. auf ein Update, so erscheint direkt unterhalb dieses Updates eine schmale Zeile mit den Aktionen, die man zu diesem Tweet ausführen kann. Also Reply und DM, aber auch ein Link, wenn ein solcher gefunden wurde. Sogar ein Miniprofil des Schreibers ist dort zu finden. Das ist alles sehr intuitiv zu benutzen. (Siehe Bild 3).
In den Bildern kann man auch sehen, dass einzelne Tweets in einer Timeline farbig markiert sind, um gleich "wichtige" Tweets zu erkennen. Eigene sind grün, solche, in denen man angesprochen wird, sind gelb unterlegt. Bei den gelben Tweets findet man im Kontextmenü auch eine Option, die die Timeline so filtert, dass nur das Gespräch mit der Person angezeigt wird: Also alle Tweets, die derjenige als Reply an mich markiert hat, sowie meine Tweets, die ich ihm geantwortet habe. Sehr praktisch!
Gravity ist nicht so ein Feature Monster, wie Twibble. Es kann nicht alles, was Twitter kann (GPS z.B. nicht), aber es kann alles, was man braucht. Und was es kann, löst es hervorragend, wie die vielen Suchen, aber auch z.B. der Bilder Upload ist sehr gut zu bedienen und unterstützt mehrere Services.
Gravity ist der einzige Client im Test, der etwas kostet. Allerdings zahlt man für diesen auch nur ca. 9,50 €, die er meines Erachtens voll und ganz wert ist. Man hat jedoch vorher eine zweiwöchige Probezeit, in der man den Client uneingeschränkt ausprobieren kann.
Einen kleinen Eindruck von Gravity kann man sich auch auf Youtube machen. Wenn ich das Filmchen sehe, fällt mir aber vor allem wieder ein, warum ich ein Tastatur Handy habe.. ![]()
Fazit
TweetS60 ist einfach noch nicht fertig und macht höchstens für diejenigen Sinn, die keine Java Anwendungen installieren können und kein Geld ausgeben wollen.
Twibble Mobile ist ein ziemlich vollständiger und dabei auch noch kostenloser Twitter Client für das Handy. Mit Twibble ist man wirklich sehr gut bedient, gar keine Frage.
Der Merzedes unter den Twitter Clients ist aber meines Erachtens im Moment Gravity. Der Client liegt so angenehm in der Hand, wie das E71 selbst.
Dafür kostet er allerdings auch ein wenig, wobei ich den Preis als durchaus angemessen empfinde.
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