In Golem fand ich einen etwas älteren Artikel darüber, dass der Windows Live Writer von Microsoft nun mit dem normalen Update Service kostenlos verteilt wird. Schon nachdem ich mir das ScribeFire Plugin für den Firefox angeschaut hatte, wollte ich mir den Writer eigentlich mal ansehen, nun ist es also Zeit dafür.
Der Live Writer ist eigentlich ein "Offline Writer" für das Blog, mit dem man offline Artikel vorbereiten und schreiben und später in das Blog übertragen kann. Dabei bietet Writer eine sehr angenehm zu bedienende Oberfläche, die sogar über eine deutsche Rechtschreibkorrektur verfügt.
Aber vor das Vergnügen hat Gott die Arbeit gestellt.
Bevor man den Live Writer mit seinem Serendipity Blog benutzen will, muss man diesen zuerst konfigurieren.
Erste Konfiguration
Damit der Live Writer Informationen über das Blog abholen kann (wie z.B. verfügbare Kategorien) und das Veröffentlichen als solches funktioniert, muss im Blog das Plugin "Einträge via XML-RPC erstellen" installiert sein, da Serendipity diese Funktion in der Standardauslieferung nicht unterstützt.
Nach der Installation des Live Writers wird man über den Typ seines Blogs befragt. Wie üblich ist Serendipity solchen Programmen nicht bekannt, deshalb muss man einen anderen Blog Typ auswählen.
Bei ScribeFire hatte ich mein Blog erfolgreich als WordPress Blog angegeben, das funktioniert aber mit dem Live Writer nicht. Ein wenig googlen brachte mich auf einen Artikel eines Serendipity Kollegen, der das gleiche probiert hat. Als API muss man also die "Moveable Type API" auswählen, als Adresse für die Remoteveröffentlichung nimmt man http:/[blog]/serendipity_xmlrpc.php.
Danach sollte Live Writer zumindest die Kategorien des Blogs erkannt haben und zur Auswahl anbieten.
Tags benutzen
Bei ScribeFire hatte ich vermisst, dass man keine Tags für Artikel angeben konnte. Mein Blog ist hauptsächlich über diese strukturiert, somit ist dies eigentlich ein Ausschlusskriterium. In dem oben genannten Artikel wird nahegelegt, dass mit dem Live Writer Blog Tags nun zur Verfügung stehen. Und tatsächlich: Man findet ein Menü "Tags einfügen..". Leider ist diese Option alles andere als strukturierend. Hier wird einfach HTML Code in die Seite eingebaut, mit dem auf Technorati Tags verlinkt wird. Also eher unbrauchbar.
Doch dann: Im unteren Bereich gibt es eine Konfigurationsfläche, in der man die Kategorie und das Veröffentlichungsdatum konfigurieren kann. Wenn man diesen Dialog vergrößert (ganz rechts unten ist ein Doppelpfeil nach oben), bekommt man weitere Konfigurationsmöglichkeiten, unter anderem auch Stichwörter! Ein kleiner Test ergab: Diese kommen tatsächlich bei Serendipity an und werden durch das Tag Plugin korrekt identifiziert. Perfekt!
Was hier höchstens noch fehlt ist eine Auswahl von bereits benutzten Stichwörtern, so wie man das in der Serendipity Oberfläche gewöhnt ist. Aber im Gegensatz zu ScribeFire funktioniert das endlich!
Erweiterte Artikel
Ein weiteres KO Kriterium, das mir bei ScribeFire auffiel, war, dass man scheinbar keine Unterteilung in normale und erweiterte Artikel vornehmen konnte. Damals erfuhr ich, dass man dies erreichen kann, indem man in den HTML Code einen entsprechenden Vermerk hinterlässt, der dem Blog sagt, dass ab hier der erweiterte Eintrag beginnen soll. Dazu muss man in die HTML Code Ansicht wechseln und an der Stelle einen HTML Kommentar hinterlassen: "<!--more-->". Das ist natürlich reichlich unkomfortabel, denn man schreibt ja normaler Weise in der WYSIWYG Ansicht, in der man diesen Kommentar nicht eintragen kann.
Beim Windows Live Writer gibt es dafür nun einen Knopf, der an der entsprechenden Stelle im Text den Beitrag teilt und diese Teilung dann sogar auch grafisch darstellt. Ein Test in Serendipity ergab, dass dieses auch mit dem <!--more--> Eintrag umgehen kann und den Artikel wie gewünscht teilt. Super!
Grafiken einbinden
Hier punktet der Live Writer auch. Man muss allerdings eines beachten: Bevor man Grafiken benutzen kann, muss man in der Admin Oberfläche von Serendipity ein neues Verzeichnis im Stammverzeichnis anlegen. Dieses muss unbedingt WindowsLiveWriter benannt werden. Der Writer erwartet dieses und legt es nicht selbstständig an. Nachdem man es einmal angelegt hat, erzeugt der Writer für jeden einzelnen Artikel ein Unterverzeichnis in diesem, in dem dann alle Bilder zum Artikel abgelegt werden.
Dabei hat man umfangreiche Möglichkeiten, das Bild zu formatieren oder zu verändern. Es gibt schicke Rahmen, man kann ein "Wasserzeichen" hinterlegen, was einfach Text auf das Bild schreibt, und vieles mehr. Zu dem Bild wird dann eine Vorschau generiert und diese zusammen mit dem Original in das Blog übertragen. Wenn man einen Link auf das Original setzt - was der Standard ist - dann funktioniert das auch wunderbar mit dem Serendipity Lightbox Plugin zusammen.
Andere Medien wie z.B. Videos lassen sich auch problemlos einbinden.
Trackbacks
Serendipity hat umfangreiche Funktionalität zum setzen von Trackbacks und Pingbacks. Man kann in Live Writer Trackbacks direkt setzen und ich war mir nicht sicher, ob die interne Funktion von Serendipity aufgerufen wird, wenn man einen Artikel über XMLRPC (also über solche Offline Tools) online setzt.
Ein kurzer Test ergab aber: Es funktioniert! Man muss also keine Trackbacks händisch im Writer eingeben, man kann sich weiterhin auf die zuverlässige Funktion von Serendipity verlassen.
Erweiterbarkeit
Was mir sehr gefällt ist, dass der Live Writer offenbar Erweiterungen unterstützt, so genannte Plug-Ins. In der Seitenleiste entdecke ich den viel versprechenden Eintrag "Plug-In hinzufügen..". Dieser öffnet den Browser mit der Seite für Live Writer Plugins. Leider ist sie derzeit leer, offenbar ist die Version noch recht frisch. Ich habe gleich mal nach Developer Informationen für diese Plug-Ins geschaut, leider führt der Link dazu noch ins Leere. Schade, ich könnte mir gut verstellen, dass ich fehlende Features einfach selbst mal nachziehe.
Aber dass Erweiterungen prinzipiell möglich sind, hinterlässt bei mir einen sehr guten Eindruck!
Es gibt eine weitere API, die man im Blog implementieren kann. Mit dieser kann man aus dem Blog heraus weitere Funktionalität dem Writer mitteilen. Diese API ist dann auch ausführlich dokumentiert, eine weitere Spielwiese für ein neues Serendipity Plugin, falls mir mal langweilig sein sollte. 
Probleme
Das größte Problem, das ich festgestellt habe, tritt auf, wenn man den fertigen Eintrag in sein Blog schicken möchte. Hier kommt bei mir immer eine Fehlermeldung:
Offenbar hat der Live Writer hier allerdings den Artikel schon im Blog gespeichert, denn er ist im Blog sichtbar.
Leider hat dies aber offenbar als Auswirkung, dass Artikel nicht in der Liste der zuletzt veröffentlichten Artikel erscheinen. Wahrscheinlich aus diesem Grund kann man Artikel nicht nachträglich editieren, was eigentlich ein Feature des Live Writers sein soll ("Automatic synchronization of local and online edits"). Tut man dies und veröffentlicht erneut, so entsteht ein neuer Artikel.
Fazit
Der Live Writer kommt sehr rund daher. Er unterstützt offenbar alles, was auch in der Serendipity Admin Oberfläche für die Artikel an Funktionalität zur Verfügung steht. Dabei ist er aber leichter und schneller zu bedienen als diese, mit der Ausnahme der nicht vorhandenen Übersicht an bereits vergebenen Tags.
Es gibt noch ein Problem beim Veröffentlichen von Artikeln, das mir aber eher durch Serendipity hervorgerufen scheint, als durch den Live Writer. Ich muss mal schauen, ob es dafür schon einen Fix gibt oder ob ich das Problem selbst lösen kann.
Als Fazit muss ich sagen: Ich bin wirklich begeistert von dem Tool, das Big M auch noch kostenfrei zur Verfügung stellt.
Obwohl das Admin Interface von Serendipity meiner Meinung nach schon sehr ausgereift und komfortabel ist, werde ich nun sicherlich des öfteren Artikel mit dem Live Writer erstellen (so wie diesen hier). Das erstellen geht hier deutlich flotter von der Hand, als ich das bisher gewöhnt war.
Ich kann euch Blog Schreibern also durchaus empfehlen, den Writer auch einmal anzutesten, den es hier als Download gibt.
taz
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